Lösung: November 2004 |
Die Milz ist zwar nur gering vergrößert, bei genauer Betrachtung werden die cranialen 3/4 des Organs von einer echogleichen, kugeligen Raumforderung ausgefüllt:

Die Sonographie der übrigen Abdominalorgane zeigte als weiteren Zufallsbefund einen Nierentumor am Unterpol der rechten Niere. Der 3 cm große Tumor war konturüberschreitend, hypervaskularisiert und dringend verdächtig auf ein Nierenzellcarcinom:

In Kenntnis dieses Befundes wurde die Milzläsion genauer untersucht. Der Milztumor hatte eine schmale Kapsel sowie angedeutet eine zentrale Narbe. Im Farbdoppler zeigte er sich als kräftig vaskularisierte Raumforderung mit sternförmigem Gefäßverlauf:

Aufgrund des gleichzeitig bestehenden Nierentumors bestand die Indikation zur Laparotomie, die ein chromophobes Nierenzellkarzinom pT1 bestätigte. In gleicher Sitzung erfolgte eine Splenektomie, histologisch ergab sich hier die Diagnose eines Splenoms (=Hamartom der Milz = splenoadenoma = fibrosplenoma = „FNH der Milz“).
Das Splenom ist ein seltener benigner Milztumor (Erstbeschreibung 1861 durch ROKITANSKY), bis heute sind ca. 170 Fälle in Weltliteratur veröffentlicht. Sonographisch manifestiert es sich meist als echogleiche Raumforderung (variabel !) mit Verdrängungszeichen und radspeichenartigen radiären Gefäßen. Die Charakterisierung als "FNH der Milz" ist daher auch sonographisch sehr treffend.
Splenome finden sich meist als Zufallsbefund, bei Kindern kann Nachtschweiß und B-Symptomatik auftreten. Selten ist ein akutes Abdomen durch Spontanruptur. Die Diagnose kann oft schon anhand des Farbdopplers gestellt werden und ist unserer Erfahrung nach häufiger als bisher in der Literatur berichtet.
Diffentialdiagnostisch sei an zwei ältere Kasuistiken mit fokalen Milzläsionen erinnert:
| NHL der Milz (5/2002) | Milzmetastase Melanom (6/2004) |
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