Lösung: Dezember 2004 |
Der Befund imponiert auf den ersten Blick in der Tat wie ein Aortenaneurysma. Im Querschnitt erkennt man die beiden großen Abdominalgefäße vor der Wirbelsäule (V. cava hier rot kodiert, Aorta blau). Auffällig ist eine echoarme Gewebsvermehrung insbesondere um die distale Aorta:

Bei genauer Betrachtung expandiert diese Gewebsvermehrung jedoch nicht nach dorsal und umscheidet auch die V. cava. Im nächsten Bild der Befund nochmals im Längsschnitt über der Aorta:

Dieses ist der typische Befund eines M. Ormond (retroperitoneale Fibrose), der sich im weiteren Verlauf dann auch bestätigte. Die retroperitoneale Fibrose ist eine seltene Autoimmunerkrankung meist mit fortschreitendem ein- oder beidseitigen Harnrückstau (der hier noch nicht vorlag) und Kompression venöser oder lymphat. Abflusswege. Bei unserem Patienten wurde eine immunsuppressive Therapie eingeleitet, die zu einer deutlichen Regression auf ca. die Hälfte des Ausgangsbefundes führte.
DD: Die sonographische Differentialdiagnose des M. Ormond besteht v.a. zum Aortenaneurysma (BAA) und zu paraaortalen Lymphommassen. Das nächste Bild zeigt zum Vergleich ein konzentrisch thrombosiertes BAA mit der Ausbreitung auch nach dorsal zur Wirbelsäule:

Unten nochmals ein konzentrisch thrombosiertes BAA, mit arteriosklerotisch veränderter Aortenwand; beachte lateral gelegene V. cava, die nicht von echoarmen Fibrosegewebe umgeben wird:

Die zweite Differentialdiagnose sind ausgedehnte paraaortale Lymphome oder Metastasen; auch diese wachsen eher nach ventral und lateral, können aber auch die V. cava umgeben. Unten ausgedehnte Lymphommassen eines Immunozytoms um die Aorta (histolog. gesichert):

Wie Sie sehen ist die Unterscheidung ist nicht immer einfach und muß im Zweifelsfall bioptisch erfolgen! Hinzu kommt, dass es Überschneidungen zum inflammatorischen Aortenaneurysma gibt; dabei ist unklar, ob die Entzündung der Aortenwand zur retroperitonealen Fibrose führt oder der M. Ormond entzündliche Wandveränderungen der Aorta auslöst.
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